Forscher müssen Mitfahrgelegenheiten nutzen (in German)

Institute und Universitäten müssen sich heute immer öfter mit Industrie und Umweltschützern verbünden.

Es ist eine ungewöhnliche Zusammenarbeit. „Wir möchten diese Forschung unterstützen, weil das Versauern der Ozeane bisher kaum thematisiert wird“, erklärt die Meeresbiologin Iris Menn von der Umweltorganisation Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation arbeitet mit dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IfM-Geomar) zusammen: In neun sogenannten „Mesokosmen“, die überdimensionalen Reagenzgläsern ähneln, untersuchen 35 Forscher in Spitzbergen, wie der Klimawandel das Meerwasser saurer macht und wie die Organismen darauf reagieren. Geforscht wird von staatlichen Universitäten und öffentlichen Instituten. Transportiert werden die Reagenzgläser von Greenpeace.

„Wir trennen dabei Forschung und Logistik streng“, möchte der Pressereferent Jan Steffen vom IfM-Geomar jeden Verdacht entkräften, die häufig durch radikale Aktionen aufgefallene Nichtregierungsorganisation (NGO) könne die Forschung beeinflussen. Genau das betont auch die Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn: „Wir leisten rein logistische Unterstützung und beteiligen uns nicht an der Forschung.“

Was passiert, wenn durch die steigenden Kohlendioxid-Werte in der Atmosphäre die Ozeane saurer werden, untersucht ein Zusammenschluss renommierter öffentlicher Forschungsorganisationen mit dem Namen „European Project on Ocean Acidification“ oder kurz „Epoca“. Eines der großen Epoca-Projekte sind die Mesokosmen, Forscher Ulf Riebesell leitet diese Untersuchungen. Erste Tests klappen 2009 hervorragend, in diesem Sommer sollte es nach Spitzbergen gehen. Allerdings stießen die Forscher schnell auf ein Problem. Die 17 Meter langen Mesokosmen sind zwar zusammenfaltbare Kunststoffschläuche. Sie hängen aber an Auftriebskörpern, die achteinhalb Meter hoch sind.

Als die Forscher für diesen Sommer eine Gelegenheit suchten, um ihre Reagenzgläser in die Arktis zu bringen, war auf keinem Schiff mehr Platz. „Wir hatten zwar Schiffszeit bewilligt, aber wir wollten kein Schiff acht Wochen lang für alle andere Forscher blockieren“, erklärt Ulf Riebesell. Zwar könnten die Partner aus Norwegen den Transport übernehmen, deren Schiff aber könnte nur im August und September 2010 fahren. „Ab Mitte Juli aber kalben die Gletscher im Untersuchungsgebiet und könnten die Mesokosmen beschädigen.“ Und um ein Schiff zu chartern – dafür fehlte das Geld. „Das hätte über 150?000 Euro gekostet“, sagt Riebesell. Die Forscher standen vor einem logistischen Problem, von dem auch das externe Beratergremium von Epoca wusste. Dort sitzen Vertreter von Universitäten und der EU-Kommission, Industrieunternehmen wie BP und Rolls-Royce, sowie NGOs wie der WWF und auch Greenpeace.

Das Greenpeace-Schiff „Esperanza“ aber wollte ohnehin nach Spitzbergen – und an Bord gab es genug Platz für die Mesokosmen. „Wir haben lange darüber diskutiert und auch mit der EU-Kommission darüber gesprochen“, sagt Riebesell. Am Ende nahmen die Forscher die Mitfahrgelegenheit wahr.
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Vorteile von dieser Kooperation haben beide Seiten. Die Forscher können in der Arktis forschen, ohne dass der Transport ihren Etat sprengt. Greenpeace kann wie jede andere NGO, jedes Unternehmen und wie jeder Politiker diese Daten nach ihrer Veröffentlichung für eigene Zwecke verwenden. Und natürlich kann Greenpeace damit werben, öffentliche Forschung zu unterstützen.

Roland Knauer, WELT ONLINE, 18 July 2010. Full article.

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