Saure meere stressen ökosysteme (in German)

Die Ozeane der Welt werden immer saurer – mit einer Geschwindigkeit, wie sie in 65 Millionen Jahren nicht aufgetreten ist. Forscher befürchten deswegen, dass in der Tiefsee ein massives Artensterben droht. Auch oberflächennahe Gewässer sehen sie gefährdet.

Wie es genau dazu kam, dass das Wasser der Arktis beinahe Badewannentemperatur hatte, das weiß niemand so recht. An den Meeresrändern wuchsen jedenfalls Palmen. Möglicherweise hatten zerfallende Methanhydrate in den Weltmeeren unvorstellbare Mengen Treibhausgas freigesetzt und so den Planeten aufgeheizt. Vielleicht waren außerdem brennende Kohlenstofflagerstätten verantwortlich, auch über die Rolle trocken gefallener Ozeanböden wird diskutiert.

Als sicher gilt nur: Vor rund 55,5 Millionen Jahren, am Übergang zwischen den Erdzeitaltern Paläozän und Eozän, war unser Planet ungewöhnlich warm. Innerhalb von 20.000 Jahren stiegen die Temperaturen um rund sechs Grad an – und pendelten sich erst nach mehr als 100.000 Jahren wieder ein. Große Mengen Treibhausgase ließen damals die Ozeane versauern – genau so, wie es auch derzeit der Fall ist.



Forscher aus Großbritannien und Deutschland haben deswegen nun versucht, aus den Geschehnissen während des sogenannten Paläozän-Eozän-Temperaturmaximums Prognosen für die Zukunft der gebeutelten Weltmeere abzuleiten. Das Problem: Die sauren Ozeane lösen die Kalkschalen von Meeresbewohnern auf – weil sich aus dem im Wasser gelösten CO2 Kohlensäure bildet. Kaltwasserkorallen gelten als besonders gefährdet – um ihre Kalkschalen aufzubauen, müssen sie mehr Energie aufwenden, was auf Kosten des Wachstums und der Fortpflanzung geht. Besonders die Spezies in den Polarmeeren sehen Forscher durch die Ozeanversauerung in Gefahr.

Von Christoph Seidler, Spiegel online, 15 February 2010, Full article.


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